Citytrip Irland / Dublin

24. August 2019






Von Entschlüssen und Befürchtungen
Meine größte Angst war es immer alleine zu verreisen. Als ich mich letztes Jahr kurz vor meinem Dreißigsten Geburtstag dazu entschieden habe alleine nach Fuerteventura zu reisen, war es zugegeben ein wirklich komisches Gefühl. Schon die Fahrt zum Flughafen war merkwürdig. Niemanden zum reden zu haben und alles mit sich selbst ausmachen zu müssen (können), war anfangs kein schönes Gefühl. Dann habe ich mich auch immer gefragt, was wohl die Menschen um mich herum davon halten könnten, dass ich alleine bin. Besonders getroffen hat es mich dann tatsächlich auch am ersten Abend, während alle mit ihren Familien und Partnern am Tisch saßen, saß ich dort alleine. Ganz ehrlich, es war ein richtig beschissenes Gefühl! Es war die Hölle und ich habe mich hundertmal innerlich geohrfeigt, was mich auf diese bescheuerte Idee gebracht hatte, alleine zu verreisen. Nachdem ich dann aber in den folgenden Tagen ausnahmslos positive Resonanz auf mein "Alleine reisen" bekommen hatte, verschwand dieses merkwürdige Gefühl und es fühlte sich toll an.
Warum ich das jetzt erzähle, obwohl es doch nach Irland ging?!

Eigentlich sollten auf meinem Sommerurlaubsplan dieses Jahr wieder jede Menge Sonne, Strand und Surfen stehen. Eigentlich, denn irgendwann Ende März hat mich das Fernweh dann so überwältigt, dass ich kurzerhand alle meine Pläne über den Haufen geworfen habe. Im letzten Jahr habe ich von meiner lieben Sari ein Reisejournal geschenkt bekommen und auf einer der letzten Seiten ist eine große Weltkarte gedruckt. Als ich mir also so diese Weltkarte angeschaut habe, wurde mir klar, dass ich viel mehr von der Welt sehen möchte. Allerdings reicht es da nicht immer nur darüber zu sprechen, Reiseführer zu lesen oder bei Pinterest tolle Reiseziele herauszusuchen. Irgendwann muss man einfach aus seiner Comfortzone heraus und sich trauen neue Orte zu besuchen. Und so habe ich meine Reisebucketlist genommen und mich entschieden! Für mich ging es also dieses Jahr nach Irland, zurück in das Land der Steinmauern, Schafherden, grünen Wiesen, rauen See und einer Regenwahrscheinlichkeit, die einfach nicht vorhersehbar ist.
Vor mehr als 10 Jahren hat mich die Insel schon einmal in ihren Bann gezogen und ein kleiner Funken ist einfach zurückgeblieben. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder zurück kehren würde.

Allerdings war da immer noch die Sache mit dem Alleine reisen.

Sari sucht Reisebuddy
Mein Travelmate Maren

Im Zeitalter von Internet, Facebook und Co stehen die Chancen eigentlich recht gut, dass irgendjemand auf der Welt wahrscheinlich einen ähnlichen Plan hat und auch vor dem Problem des Alleine verreisen steht. Und warum soll man Möglichkeit nicht nutzen zum einen tatsächlich zu verreisen und zu anderen auch noch neue Leute kennen zu lernen. Also habe ich mich kurzer Hand in einer Reisebuddy gesucht Gruppe auf Facebook angemeldet und meine Pläne veröffentlicht. Was dann passiert ist, hätte ich ehrlich gesagt, nicht für möglich gehalten, aber ich hatte relativ schnell an die zehn Nachrichten in meinem Postfach. Alle mit ähnlichen Plänen.

Nachdem ich mich durch all die Nachrichten also gewühlt, Profile gestalked und einige Eckdaten abgeglichen hatte, stand relativ schnell fest, dass mein Travelmate für Irland die liebe Maren sein würde. Wir haben anfangs ein paar Sprachnachrichten per WhatsApp ausgetauscht und ich weiß noch, wie ich mir eine der ersten Nachrichten angehört habe, in der Maren erzählt, dass sie Standesbeamtin ist. Ich fand das so sympathisch und ungewöhnlich und cool, dass es eigentlich nur ein toller Trip werden konnte. Wir haben auf jedenfall schnell gemerkt, dass die Chemie stimmt und bis auf ein wirklich persönliches Gespräch am Telefon uns erst in Dublin real getroffen.
Dia duit in Éirinn
Blick auf Dame Street / © Sarah Markert
Mein Reiseplan stand auch relativ schnell auf mehr als zwei Beinen. Die Flüge waren gebucht und bei der Unterkunft habe ich mich diesmal an eine AirBnB-Unterkunft herangewagt. Auch etwas ganz neues für mich, denn bisher habe ich es bevorzugt in Hotels mit All In und Transfer zu wohnen. Ich musste mich um nichts großartig kümmern, außer pünktlich zu den Essenszeiten im Hotel zu sein. Aber genau das wollte ich nicht, ich wollte diesmal näher am Land und den Leuten dran sein. Ich wollte nicht wie ein Tourist aussehen (auch wenn man das letzten Endes doch ist). Ich habe also in dem kleinen Vorort Crumlin gewohnt und jeden Tag konnte ich mit den Buslinien 27, 77a, 151 direkt in die City fahren. Ich bin direkt an der Dame Street der Central Bank ausgestiegen und sofort war ich mitten im Geschehen. Ich erinnere mich an dieses überwältigende Gefühl, als diese vertrauten Bilder wieder hochkamen. Dublin war mir nicht vollkommen fremd und es war noch genauso atemberaubend wie bei meinem letzten Besuch.
Baile Átha Cliath - Dublin
Ha'Penny Bridge / Sarah Markert
Die ersten beiden Tage habe ich bewaffnet mit meiner Kamera die Stadt erkundet. Es war schon sehr spannend, all die Ecken quasi wieder zu entdecken und dabei auch ganz neue Viertel kennen zu lernen. Das alles funktionierte allerdings nicht ohne einen gescheiten Kaffee, denn mit der Kaffeemaschine (oder was auch immer das sein sollte) bin ich in meinem AirBnB einfach nicht warm geworden. Also war mein erster Stopp grundsätzlich das nächstgelegene Café für einen schönen Cappuccino to go. Ein paar Worte zu Thema Kaffee und Milchalternativen in Dublin: Während ich in Deutschland in nur ganz wenigen Cafés Mandel-, Soja-, Hafer-, oder Kokosdrink als Milchalternative zur Auswahl habe, war das hier ganz anders. In eigentlich jedem Café in dem ich war, gab es zumindest Mandel- oder Sojadrink. Für mich ein absolutes Highlight und so fortschrittlich! Ich hoffe ja, dass sich andere Unternehmen in Deutschland davon inspirieren lassen und vielleicht auch mitziehen. Soviel also zu meinem Latte-Highlight!
Das zweite Highlight war eine sensationelle Sightseeingtour, die ich ebenfalls über AirBnB gebucht hatte. Wir waren eine kleine nette Truppe und unser Guide Patrick from Mayo war der absolute Wahnsinn. Er hatte uns so viele spannende Sachen über Dublin und seine Geschichte erzählt. Es war schon sehr beeindruckend, wie groß sein Wissen darüber war und dass er zu jeder Ecke eine kleine Anekdote zu erzählen hatte. Wir haben uns am St. Stephens Green getroffen, einem der mehreren  Parkanlagen in der Innenstadt, die besonders im Sommer (in Irland sind schon Temperaturen über 15 Grad dafür ausreichend) voller Menschen sind. Danach haben wir einen kleinen Abstecher in ein Freimauermuseum gemacht bzw. handelt es sich um einen aktiven Tempel der Freimaurer, zu dem wir durch Patrick Zugang bekamen und uns im unteren Ausstellungsbereich umschauen und ein wenig über die Geschichte der Freimaurer erfahren haben. Das Highlight kam allerdings danach, denn wir haben uns auf die Spuren von James Joyce begeben und sind in einem urigen kleinen Buchladen gelandet, in dem wir prompt in eine Lesung von Ulysees gezogen wurden. Wir haben gelesen, wir haben gesungen und sollten so bestens vorbereitet sein auf das nächste Pubcrawling.
Zusammen mit Jenna und Justin habe ich noch zwei wirklich tolle Pubs entdeckt. The Cobblestone ist ein gemütlicher kleiner Pub fernab der Touristenstraßen in Smithfield. Hier gab es neben dem ersten Pint auch traditionelle irische Musik zu hören. Die Atmosphäre war wirklich grandios! Die Musiker saßen mit ihren Instrumenten im vorderen Teil des Pubs und es hatte ein bisschen was von einem Wohnzimmerkonzert. Im Anschluss wollten wir unbedingt noch das berühmte Irish Dancing sehen und sind kurzerhand gläubig geworden und in die Kirche gegangen. Schwerz beiseite. Einer der wahrscheinlich atemberaubendsten Pubs ist The Church, wenn man hier wirklich von Pub sprechen kann. Es ist eher ein Café/Bar/Restaurant, aber durch den Standort einfach einzigartig. An der Kreuzung Mary und Jervis Street steht nämlich St. Marys Church, eine wunderschöne Kirche aus dem  18. Jahrhundert und 1964 geschlossen. Nach über 40 Jahren und einer intensiven Umbauphase eröffnete die Church, so wie wir sie heute kennen, im Jahre 2005 wieder und ist seitdem eine Hauptattraktion und erste Anlaufstelle, wenn es um Irish Dance geht. (Mehr Infos: The Church) Es sollte übrigens nicht das einzige Mal sein, dass ich der Church einen Besuch abgestattet habe, denn schon einen Tag später habe ich die liebe Maren auf der verzweifelten Suche nach einer Riverdance Vorstellung in eben genau diese Kirche mitgenommen. Und was soll ich sagen, wir haben es nicht bereut!
Temple Bar gets more Guinness / © Sarah Markert
Hier an der weltberühmten Temple Bar im gleichnamigen Bezirk Temple Bar haben Maren und ich uns das erste Mal persönlich getroffen. Und obwohl wir bis zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nur Sprachnachrichten ausgetauscht hatten und kurz vor der Reise einmal telefoniert haben, war es als wenn wir uns schon länger kannten. Manchmal ist es schon witzig, wie das Leben und das Schicksal mit einem spielt! An diesem Tag sind wir noch viel durch die Stadt gelaufen und haben uns einfach von dem Flair mitreißen lassen.
Cliffs of Moher
Blick nach Norden auf O'Briens Tower
Am nächsten Tag stand dann auch schon ein weiteres Highlight an. Der Ausflug zu den Cliffs of Moher. Die wohl bekanntesten Steilklippen erstrecken sich über eine Länge von fast 8km an der Südwestküste Irlands. Der höchste Punkt liegt bei sage und schreibe 214 Metern. Das gesamte Areal wurde zu einem UNESCO Global Geopark ernannt und wer einmal dort war und die sensationelle Aussicht genossen hat, weiß auch warum.
Auf der Fahrt von Dublin zur anderen Seite der Insel haben wir erst einmal einen richtigen Eindruck von Irlands Landschaft bekommen. Gefühlt hundertmal kamen die Worte Hier müssen wir nochmal hin über unsere Lippen. Es stimmt, Irland hat eine ganz eigene Magie und schafft es, trotz Touribusfahrt mit teils etwas nervigem Guide, einen in seinen Bann zu ziehen. Für mich stand dort schon fest, dass ich noch einmal wieder kommen würde und dann wirklich für länger. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie viele Steinmauern und Schafe wir gesehen haben, durch wie viele kleine süße Dörfer wir gefahren sind und wie oft ich dachte, dass wir um die nächste Kurve doch garantiert nicht passen würden. Aber wir haben unser erstes Ziel erreicht und wir hatten wirklich Glück. Mit der Ankunft an den Klippen riss die Wolkendecke auf und die Sonne kam heraus. Für uns natürlich absolut gigantisch, denn so präsentierten sich die atemberaubenden Cliffs of Moher in ihrer ganzen Pracht.
Entlang der Klippen / © Sarah Markert
Ich muss dazu sagen: Natürlich sind die Cliffs of Moher mit die Sensation auf einer Irlandreise und daher ist es nicht verwunderlich, dass sind etliche Besucher auf den Aussichtsplattformen tummeln und versuchen, den schönsten Schnappschuss zu bekommen. Das Areal ist aber auch so weitläufig, dass die Menschenmassen gar nicht wirklich stören. Jeder wartet, wenn ein Foto geschossen wird und jeden, den wir gebeten haben ein Foto von uns zu machen (sofern der Selfiestick nicht zum Einsatz kam), hat sofort geholfen. Ich habe mir wohl sagen lassen, dass es auch noch weitere Klippenabschnitte gibt, die weniger überlaufen, aber nicht minder spektakulär sind. Das steht dann wohl auf der To-Do Liste für die nächste Irlandreise.
Schweren Herzens hieß es dann aber auch schon wieder rein in den Bus und weiter entlang des Wild Atlantic Way mit teils atemberaubenden Kontrasten im landschaftlichen Bereich ging es schließlich weiter nach Galway. Ich muss gestehen, nach all den Stunden Busfahrt war ich nicht mehr wirklich in der Lage mich für die Stadt zu begeistern. Zu trubelig, zu laut, zu überfüllt. Ich weiß, dass ich unter anderen Umständen etwas vollkommen anderes sagen würde, aber leider ist es genauso. Galway ist wahnsinnig verwinkelt und man kann sich schon leicht verlaufen. Es gibt viele kleine Gässchen und Läden, alles ist etwas alternativ und künstlerisch angehaucht. Eigentlich total mein Ding. Aber außer für Fish & Chips konnte ich mich leider für nicht viel mehr begeistern. Ein weiterer Punkt auf der To-Do Liste, und dann definitiv ohne lange Busfahrt im Vorfeld.

Howth Head
Blick auf Baily Lighthouse / © Sarah Markert
Hätte ich gewusst, wie nah doch das ursprüngliche grüne Irland ist, wäre ich schon viel eher nach Howth Head gefahren. Die  kleine Halbinsel liegt nördlich von Dublin und ist in gut einer Dreiviertelstunde mit dem Bus zu erreiche Genau hierhin hat es uns am nächsten Tag verschlagen. Ich habe an diesem Tag wirklich gemerkt, dass ich kleidungstechnisch nicht ganz vorbereitet war, aber ich habe es durchgezogen. Wir haben beschlossen, dass wir Irlands Natur kennenlernen wollen und so war es das naheliegendste ein kleines Stück des Howth Cliff Walks zu gehen. Was zu Beginn auch noch wirklich Spaß gemacht hat, ist dann leider irgendwann in das reinste Abendteuer ausgeartet. Anfangs lachte noch die Sonne und wir sind einfach drauf los gelaufen immer mit dem Ziel vor Augen - der Leuchtturm. Irgendwann wurde es dann dunkler und die Sonne verschwand hinter dunkelgrauen Wolken. Der Wind wurde heftiger und dann fing es auch noch an zu schütten. Wie aus Eimern. Bindfäden. Und wir irgendwo im nirgendwo.

Anfangs war der Weg auch noch recht gut zu laufen. Es gab Trampelpfade, einen Zaun und man befand sich einfach in sicherer Entfernung zu den steilabfallenden Klippen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir auch noch Scherze über Abstürze in die Fluten und meine mangelhafte Kleidung machen. Als dann allerdings der Wind nochmal zu nahm und ich mich einmal richtig schön langgelegt habe, war es uns dann doch nicht mehr geheuer. Also haben wir kurzerhand den Rückweg angetreten und sind den nächstgelegenen Weg in Richtung Hauptstraße abgebogen. Ich weiß noch, wie sehr ich mich über die Häuser und dann auch über die Bushaltestelle gefreut habe, die plötzlich vor uns aufgetaucht ist. Es war uns so egal, in welche Richtung der Bus fahren würde - Hauptsache zurück in die Zivilisation. In diesem Fall direkt in das kleine Küstendorf Howth, in dem wir gestärkt nach einer großen Portion Fish & Chips und einem Bier, dass wir uns mehr als verdient hatten, noch ein wenig die Umgebung erkundeten. Der Ort liegt direkt am Wasser, hat einen kleinen niedlichen Hafen und an jeder Ecke gibt es Fisch, Fisch und noch mehr Fisch zu kaufen. Achtung übrigens vor den Möwen, denn die sind so unberechenbar, dass sie sogar den Fisch aus der Hand der Touristen stehlen.
Abschlussworte
Nach diesem wirklich ereignisreichen Tag endete auch leider schon unsere gemeinsame Zeit in Irland. Maren ist zurück nach Deutschland geflogen und ich habe meinen letzten Tag mit einem dicken Infekt im Bett verbracht. Nach dem Abenteuertrip war das auf jedenfall nicht weiter verwunderlich.
Trotzdem oder vielleicht auch gerade wegen dieses kleinen Abenteuers war dieser Trip nach Irland ein voller Erfolg. Ich habe so lange darüber nachgedacht und Pläne geschmiedet, und dann war es auch schon wieder vorbei. Kennt ihr das auch?! Ich finde, solche Reisen gehen immer viel zu schnell vorbei. Man steckt so viel Zeit manchmal in die Planungen, wälzt Reiseführer, liest Reiseberichte und vieles mehr. Und dann ZACK ist es auch schon wieder vorbei. Irland hat mich erneut fasziniert und infiziert, mit seinen atemberaubenden Landschaften und dem pulsierenden Großstadtflair Dublins.

Für mich stehen auf jedenfall einige Dinge fest:

Ich werde definitiv mit dem Auto Irland erkunden.
Ich werde nochmal die Cliffs of Moher sehen.
Ich werde nochmal nach Galway fahren - aber mit mehr Zeit.
Ich werde wetterfeste Kleidung dabei haben.
Ich werde noch mehr Fotos machen.
Ich werde viel mehr Zeit einplanen.

Die komplette Fotostrecke könnte ihr euch übrigens hier anschauen.



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