[Rezension] Tigerstreifenhimmel - Ronja Delahaye

Mittwoch, 30. Mai 2018

Infos
Autorin: Ronja Delahaye ~ Format: eBook ~ Altersempfehlung: k.a. ~ Seitenanzahl: 263 ~
ISBN: k.a. ~ Preis: € k.a. (D)
Klappentext
»Okay, es ist wie bei Schrödingers Katze. Es ist möglich und nicht möglich, dass es da jemanden gibt, den ich dummerweise nicht mehr vergessen kann.«
Das sagt Rike zu ihrem besten Freund, nachdem sie dessen Schwester Camila kennengelernt hat. Seitdem geht sie ihr nicht mehr aus dem Kopf. Camila ist überall – in ihren Gedanken, ihren Träumen und irgendwann steht sie sogar unerwartet einfach vor ihr. Von einer Peinlichkeit stürzen sie in die nächste, bis sie sich schließlich darauf einigen, einfach nur miteinander ins Bett zu gehen. Wochen vergehen und was eigentlich nur eine kleine Ablenkung sein sollte, wird zu etlichen gestohlenen Stunden.
Schon bald gelingt es ihnen nicht mehr, ihre Gefühle füreinander zu verbergen - Doch keine von ihnen ist sich sicher, wo das hinführen soll.
So beginnt es
Statistisch gesehen sterben nur sieben von einhundert Jugendlichen an einer Krebserkrankung.
Was ich sage
Als ich das erste mal von Ronjas neuem Projekt hörte, wusste ich noch nicht, worauf ich mich einlassen würde. Ich wusste weder wovon das Buch handeln würde, noch wie das Cover aussieht und auch der Titel war zu diesem Zeitpunkt noch nicht enthüllt. Ihr könnt euch also vorstellen, wie sehr mich meine Neugierde aufgefressen hat vom Tag 1 der Titelenthüllung bis zum jetzigen Augenblick, in dem ich Tigerstreifenhimmel gelesen habe! 


Liebe Ronja, ich möchte dir von Herzen danken, dass du mich mit auf diese Reise genommen hast und auf all die weiteren, die noch kommen werden. Am liebsten würde ich gerade alle Räume mit einem Tigerstreifenhimmel verschönern und dann nur noch an die Decke starren! Ich hatte ein paar so wundervolle Stunden mit Camila und Rike! Sie sind mir echt ans Herz gewachsen in all der Zeit! ❤

Normalerweise beginne ich mit dem offensichtlichsten beim Buch - dem Cover. Diesmal ist es aber etwas anders, denn was ich zu aller erst von dem Projekt TSH wusste, war nur der Titel. Ihr müsst ihn euch einfach einmal auf der Zunge zergehen lassen:

------ Tigerstreifenhimmel ------

Als ich diesen Titel das erste Mal hörte, hatte ich schon ein Bild vor Augen, dass mich total begeistert hat. Bei mir löst dieses eine Wort schon so viel aus. Warum Tigerstreifen?! Wer hat Tigerstreifen? Wieso am Himmel? Wer ist der Tiger? Welche Farben? Es ist ein Fass ohne Boden und hat mich definitiv neugierig auf die Geschichte gemacht.
Dann kam auch endlich das Cover  und mir blieb wirklich die Spucke weg! Ich hätte stundenlang einfach nur dieses wunderschöne Cover anschauen können, der keinen Tigerstreifenhimmel zeigte, aber ein Gefühl einfing, dass mir direkt unter die Haut ging. Ich weiß nicht, ob es schlussendlich die atemberaubenden Farben waren - dieses Kombi aus Lila-Blau-Orange - oder die Szene oder einfach alles zusammen. Es war vermutlich die Mischung aus all diesen wundervollen Aspekten, die mich dazu veranlassen, dieses Buch unbedingt im Regal stehen zu haben. Für mich persönlich ist es ein perfektes Cover, denn es berührt mich, macht Lust auf die Geschichte und hat schon einen kleinen Funken allein beim Anblick in mir entfacht.


Achtung, möglicherweise Spoiler!

Doch worum geht es nun in der Geschichte?!
Wir lernen zu Beginn zwei Frauen kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Rike ist ein kleiner Büchernerd, wie er wortwörtlich im Buche steht und verbringt die meiste ihrer Zeit entweder bei der Arbeit in einem kleinen Buchladen oder bei ihrem besten Freund Rafael im Krankenhaus. Nach dem Tod ihres Bruders ist Rafael die einzige Bezugsperson in Rikes Leben und manchmal weiß sie nicht, was sie ohne ihn machen würde. Alles wird kompliziert als Rike eines Tages Camila kennenlernt - Rafaels Schwester und das komplette Gegenteil der zurückhaltenden Rike. Camila ist laut, temperamentvoll, Freigeist und Künstlerin - und sie geht Rike einfach nicht mehr aus dem Kopf. Obwohl es der schlechteste Zeitpunkt für überhaupt irgendetwas ist, lassen sich die beiden auf diese spannende Liaison ein, ohne darüber nachzudenken, wohin die Reise gehen könnte. Was zu Beginn eher als Ablenkung und Zeitvertreib gedacht war, wir schon bald mehr und die beiden jungen Frauen müssen sich darüber klar werden, was sie wollen und wer sie überhaupt sind.

Auch das zweite Buch von Ronja ist für mich persönlich ein echtes Herzensbuch, denn es geht mir wieder einmal unter die Haut und ZACK - einmal mitten ins Herz. Ich muss schon sagen, es ist eine ziemlich spannende Angelegenheit, sich auf solch ein Projekt einzulassen - und damit meine ich die Zusagen, ein Buch zu lesen und zu supporten, dessen Titel und Inhalt man anfangs nicht kennt. Mit der Veröffentlichung des Titels und den ersten Infos zur Entstehung des Titels "Tigerstreifenhimmel" war mir aber irgendwie schon klar, dass es gut werden würde. Und "gut" ist gerade ziemlich untertrieben. Die Handlung hat mich begeistert von der ersten Seite an. Schon der Auftaktsatz hatte mich, auch wenn ich da saß und am liebsten das Buch weggeworfen hätte, denn meine größte Angst war ein hochemotionales Buch in Kombination mit einer unheilbaren Krankheit. Ja, es war hochemotional, aber meine Ängste waren unbegründet, denn der Hauptaugenmerk lag nicht auf der Krankheit, sondern wirklich bei der Entwicklung einer wundervoll schrägen Beziehung. War es eine Achterbahnfahrt?! Wenn man gefühlt, jedes Kapitel eine andere Stimmung durchläuft, zwischendurch ein Tränchen verdrückt, fluchend ins Kissen neben einem boxt, die Hände über dem Kopf zusammen schlägt und einem der Atem wegbleibt, war es vermutlich eine. Und dann auch noch eine verdammt gut! Es war emotionsgeladen, aber auch actionreich, was mir persönlich gut gefallen hat, denn es hat vor allem Camilas Lebensstil so gut widergespiegelt. Aber, und darüber bin ich noch glücklicher, es war wieder so unglaublich humorvoll! Ich muss gerade an so einige Stellen denken, an denen ich mich nur noch lachend gekrümmt habe und erst einmal nicht weiter lesen konnte. Vor allem die Schlagabtausche zwischen Rike und Camila haben mir ein paar saftige Bauchschmerzen beschert, aber auch Rafaels Art die schüchterne Rike immer wieder aus der Reserve zu locken. Was soll ich sagen, ich liebe Ronjas Schreibstil irgendwie total, denn er hat mich direkt abgeholt und in diese kontrastreiche Welt katapultiert zwischen Krankenhausbett, Bücherregal und Undergroud-Fightclub. Mir fiel es wieder einmal kein bisschen schwer das Buch zu lesen - es zu verschlingen sind wohl die passenderen Worte. Ronja schreibt so unkompliziert und flüssig, dass die Handlung mir nur so zugeflogen ist. Die Bilder der beiden Frauen hatte ich schnell sehr deutlich vor Augen und manchmal war ich mir gar nicht mehr bewusst, dass ich gerade ein Buch lese. Kennt ihr das, wenn die Worte euch einfach zu beim Lesen zufliegen und ihr euch dann nach ein paar Seiten fragt, wann und vor allem wie ihr diese Seiten denn jetzt bitte gelesen habt?! Genau so war es bei Tigerstreifenhimmel! Und das ist doch ein wirklich verdammt gutes Zeichen!

Die beiden Hauptfiguren haben mich übrigens wirklich fasziniert, denn so unterschiedlich sie auch auf den ersten und vermutlich auch auf den zweiten Blick scheinen, so ähnlich ist dann doch irgendwie ihre Situation. Wir haben auf der einen Seite die ruhige, irgendwie schon eher introvertierte Rike, die ihr ganzes Leben schon irgendwie eine gewisse Maske zum Schutz trägt. Sie glaubt, dass sie nicht normal sei und durch all ihre kleinen und größeren Marotten nicht liebenswert sei. Das das natürlich vollkommener Quatsch ist, geht in ihr kleines Köpfchen leider nicht rein und so verkauft sie sich immer wieder unter Wert. Das in einer Welt, die mehr oder weniger inzwischen aus einem ziemlich ähnlichen Einheitsbrei besteht "anders sein" eigentlich etwas positives ist, erkennt sie im Grunde erst durch Camila. Sie ist alles andere als ruhig und zurückhaltend, sondern ein kleiner Wirbelwind, der über die Ebene fegt und irgendwie keinen Stein auf dem anderen lässt. Sie lässt sich nichts sagen, lebt das Leben nach ihren eigenen Regeln und gibt herzlich wenig auf das, was andere von ihr erwarten. Sie boxt sich durchs Leben (und das wortwörtlich), wenn Probleme auftreten, dann löst sie diese - auf ihre eigene unkonventionelle Art und Weise, dass sie tief in ihrem Inneren auch noch andere Wünsche und Träume hat, wird ihr erst durch die Zeit mit Rike bewusst. Wenn man es also genau betrachtet, tragen beide dauerhaft ihre Masken um ihr wahres Ich zu verbergen, sei es aus Scham, aus Angst nicht mehr gemocht zu werden oder den nervigen Fragen aus dem Weg zu gehen. Um so spannender ist es also die beiden auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten aus ihrer Komfortzone herauszukommen und sich einem anderen Menschen wirklich zu öffnen.

Ich liebe Bücher, die eine Botschaft haben - im Grunde hat jedes Buch irgendeine Botschaft, aber gerade in Tigerstreifenhimmel wird sie umso deutlicher. Viele von uns (und da schließe ich mich nicht aus) haben vermutlich immer wieder das Gefühl, nicht rein zupassen oder auch anders zu sein. Teilweise fängt das ja schon im Kindesalter an, wenn man sich anders kleidet oder verhält wie... wie eben die "anderen". Ich glaube, in jeder Altersklasse findet man diesen Zustand und eben auch die Menschen, die wie Rike mit Rückzug und Abwägen oder wie Camila mit Konfrontation reagieren. Dabei ist es total egal, wie wir sind, was wir mögen, welche verrückten Marotten oder Ticks wir haben - es sind gerade diese Dinge, die uns ausmachen, die uns zu UNS machen und nicht so "allen anderen". Es ist wie Camila sagt:

Ein Tiger kann seine Streifen nicht verändern. [...] Das müssen sie nicht, das kann ich dir versichern. Ganz egal, welche Farbe deine Streifen oder dein Fell haben, du solltest sie mit Stolz präsentieren.  S. 221
Fazit
Tigerstreifenhimmel hat mich wahnsinnig überrascht und das im absolut positiven Sinne. Ich habe mich auf ein wirklich spannendes Experiment eingelassen, ein Buch zu lesen, von dem ich anfangs weder Titel noch Handlung kannte. Und es hat wirklich funktioniert! Es ist emotional, humorvoll und wirklich spannend geschrieben, mit Charakteren, die einem im Kopf bleiben und einer Message, die unter die Haut geht. Absolute Leseempfehlung!!!

Meine Meinung ist übrigens vollkommen unvoreingenommen entstanden!! Vielen Dank liebe Ronja, dass ich dein Buch lesen durfte!!!

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